Idee

Der Werdenfelser Weg bemüht sich darum, dass in einer Region, in der er zur Anwendung kommt, die gesetzlich vorgesehenen Schutzmechanismen für die Schwächsten unserer Gesellschaft greifen, um vermeidbare Freiheitsbeschränkungen konsequent zu unterbinden. Und bemüht sich, verbleibende Risiken gemeinsam abzuschätzen und gemeinsam verantwortungsvolle Einzelfallentscheidungen zu fördern. Er wirkt mittlerweile über das gerichtliche Verfahren hinaus häufig auch durch einen regionalen Bewusstseinswandel der beteiligten Professionen zum Umgang mit der eigenen Verantwortung.16_Rummelsberger_Wurzhof_1403_HighRes

Der Werdenfelser Weg hat das Ziel, die Entscheidungsprozesse über die Notwendigkeit freiheitsentziehender Maßnahmen wie Bauchgurte, Bettgitter, Vorsatztische zu verbessern und Fixierungen in stationären Einrichtungen der Altenpflege und für Menschen mit Behinderungen, sowie in somatischen und psychiatrischen Krankenhäusern auf ein unumgängliches Minimum zu reduzieren.

Er setzt in erster Linie auf Professionalität und Kommunikationsoptimierung innerhalb einer Region.

 „Bettruhe ist so gefährlich, dass wir die Patienten eigentlich medizinisch aufklären müssten“, sagt beispielsweise Dr. Helmut Frohnhofen,  Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Geriatrie der Kliniken Essen-Mitte. Er verweist eindrucksvoll auf die Gefahren beispielsweise durch einen Muskelverlust, der mit der langen Bewegungsunfähigkeit fixierter Personen einhergehen kann.

Der Werdenfelser Weg ist ein verfahrensrechtlicher Ansatz im Rahmen des geltenden Betreuungsrechts, der ohne Fördermittel und ohne Budget im Landkreis Garmisch-Partenkirchen entwickelt worden ist.

Spezialisierte Verfahrenspfleger mit pflegefachlichem Grundwissen für das gerichtliche Genehmigungsverfahren von Fixierungen werden fachlich fortgebildet, so dass sie über eine Kombination von pflegefachlichem Wissen über Vermeidungsstrategien und gehobenem juristischen Informationsstand über die rechtlichen Kriterien zu diesem Thema verfügen. Dieser Verfahrenspfleger diskutiert im gerichtlichen Auftrag jeden Fixierungsfall individuell und geht über den Zeitraum mehrerer Wochen Alternativüberlegungen gemeinsam mit dem Heim und den Angehörigen/Betreuern durch, im Einzelfall regt er auch Erprobungen von Alternativmaßnahmen an.

Im Vordergrund steht die Optimierung des Kommunikationsprozesses und das Bewusstwerden von Ängsten, die pflegefachlich fundierte und juristisch sowie menschlich vertretbare Lösungen überlagern.