Patientensicht: beklemmendes Gefühl, menschliche Zuwendung, traumatisches Erleben, Verlust der Intimsphäre, Folter

Aus nachträglichen Befragungen von Psychiatriepatienten, wie sie die vorübergehende Fixierung erlebt haben:

Wenn sie von einer Bauchfixierung erzählt, spricht sie von einem horrenden Erlebnis bzw. einem beklemmendem Gefühl, wie ein Freiheitsberaubung. Sie berichtet, dass sie alles mitbekommen habe und so weit sie sich daran erinnern könne, gab es kein Gespräch nach der Fixierung.
Der persönliche Ausdruck einer Pflegeperson, dass es ihr nicht recht sei sie zu fixieren vermittelte ihr Menschlichkeit und das hat ihr nach eigenen Angaben sehr geholfen. Die Betroffene gibt an, sie habe die Kombination von Verfolgungswahn und Fixierung mittels Gurten sehr traumatisch in Erinnerung. Weiter gibt sie an, während eines durchgehenden Zeitraums von 24h durch eine Glasscheibe unter Beobachtung gewesen zu sein. Während dieser Zeit hat sie sich sehr unwohl gefühlt. Man verliere ganz die Selbständigkeit. Sie hatte keine Intimsphäre und keinen persönlichen Kontakt. Um auf die Toilette zu gelangen wurden ihre Gurte gelöst. Die Patientin gibt an, dass Menschlichkeit ein wesentlicher Punkt ist, um eine solche Situation etwas zu entspannen.
Sie spricht von der Aufklärung über Fixierung und Medikamente. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass es eine Folter sein kann, wenn man unter den Nebenwirkungen der Medikamente leidet und nicht viel tun kann. Sie beschreibt, dass es sehr wichtig sei die fixierte Person ernst zu nehmen. Sie sagt: man solle einen solchen Menschen nicht als „Depp“ verkennen und sie auch nicht wie ein Kleinkind behandeln. Der respektvolle Umgang ist wichtig und die authentische Art der Pflegeperson. Genauso wichtig erscheint ihr das Gespräch über die Fixierungsgründe.

zitiert aus eine Diplomarbeit von 2008 von Cornelia Reißner: Zwangsfixierung in der Psychiatrie – Aspekte aus Sicht des Patienten