Stimmen von Richterkollegen

Richterbefragung 2014

In Vorbereitung des 14. Betreuungsgerichtstags in Erkner bei Berlin am  21.11.2014 und einer dortigen Arbeitsgruppe mit dem Titel: “Eine Zwischenbilanz des Werdenfelser Weges” hatten wir im Sommer 2014 ein Meinungsbild abgerufen, wie bereits im Sommer 2012 einmal.

Hier die Erkenntnisse aus den Richterbefragungen .

Invalid download ID.

Frühere indviduelle Äußerungen

RiAG von Hirschfeld, AG Weilheim, 11.7.2011

„Was ich persönlich für meine Arbeit aber wirklich gewinnbringend an dem Projekt finde ist, dass alle Beteiligten bei uns dadurch ins Gespräch gekommen sind. Die Heime sind oft dankbar, einen Ansprechpartner im Gericht gefunden zu haben,…

. ……. eine gute vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt, mir macht die Arbeit dadurch sehr viel mehr Spaß…“

 

RiAG Heilmann, AG Fürstenfeldbruck, 8.7.2011

Seit der Auftaktveranstaltung …., sehen die Heime Fix-maßnahmen deutlich kritischer und suchen von sich aus oft Alternativen…, teils blocken sie entsprechende Ansinnen von überängstlichen Angehörigen ab. Das führt hier zu einer spürbaren Arbeitserleichterung bei Gericht.

… auch dadurch …, dass die Verfahrenspfleger den jeweiligen Fall so umfangreich geprüft haben, dass der Zeitaufwand für den richterlichen Anhörtermin geringer ist. ….

……Arbeitsverringerung mehr als 50 %, Tendenz steigend,

……. (ich) bin aber überzeugt, dass der Trend weg von solchen Maßnahmen nicht mehr aufzuhalten ist und dass wir in etwa 5 jahren kaum mehr Anträge haben werden.

 

RiAG Geißinger, Betreuungsrichter, AG Wolfratshausen, 8.7.2011

„Die Zahl der unterbringungsähnlichen Fälle hat im Referat deutlich abgenommen. …… Dies liegt auch daran, dass sich auf die Veranstaltung zum Auftakt hin mehrere Heime besser mit Niederflurbetten, geteilten Seitengittern und Sensormatten

ausgestattet haben…..“
„Insgesamt gehe ich mit einem besseren Gefühl, richtig entschieden zu haben , wieder heim. …“

 

RiAG Isabel Lindner, AG Cloppenburg, Sommer 2011

„……deutlich besseres Gewissen bei der Entscheidung über die freiheitsentziehenden Maßnahmen.

…früher oft das Gefühl, den Betroffenen…. nicht gerecht geworden zu sein …., weil ich keine anderen Möglichkeiten kannte.

…stand ich mit der Verantwortung, daß es zu Verletzungen kommen konnte, allein da.“

Durch die vielen Anregungen …und die deutlich gesteigerten Bemühungen der Pflegeheime finden wir jetzt in aller Regel maßgeschneiderte Lösungen für jeden Einzelfall.

Es wurden in fast allen Heimen Niedrigbetten, Sensormatten und diverse andere Hilfsmittel wie Babyphone o. ä. angeschafft. Manche Heime haben ein Nachtcafe, andere Schlafenszeiten, neue Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bewohner eingeführt. Man macht sich Gedanken über die Zimmerbelegung, Eßgewohnheiten und vieles mehr. …

…. von Anfang an und werden noch immer deutlich weniger Fixierungen als vor der Einführung beantragt/genehmigt (gefühlter Rückgang: ca. 3/4), ohne daß zunehmende Verletzungszahlen bekannt geworden wären. …..“

„….. Einführung der neuen Verfahrensweise war ziemlich unkompliziert (1. Verfahrenspfleger mit Pflegeerfahrung suchen, 2. Heime informieren, 3. einfach anfangen).“

„…Meinung, daß wir hier in erster Linie zum Wohl der Betroffenen handeln und durch den Werdenfelser Weg viel erreichen.“

 

RiAG Agnes Niehues-Pröbsting, AG Witten, Sommer 2011

„…kann ich ebenfalls nur Positives berichten. …..Geschätzt … allenfalls noch halb so viele Anträge …..“

„Die Anzahl der Genehmigungen liegt noch einmal darunter. „

„Besonders positiv empfinde ich das neue „Wir-Gefühl“ in Witten. …“

„ganz neues Gesprächsklima entstanden…“

„„Die Bereitschaft unsererseits, die Verantwortung …auf mehrere Schultern …zu verteilen, ist fast vorbehaltlos auf sehr dankbaren Boden in den Heimen gestoßen.“

„…Arbeiten für mich als Richterin nicht nur deutlich entspannter (schon rein vom Zeitaufwand her betrachtet) geworden, sondern es macht auch einfach viel mehr Spaß …. „

„…..das „A&O“ ist, kompetente, geschulte Verfahrenspfleger zu haben, die in der Lage sind, das Vertrauen der Pflegenden zu gewinnen. ..“„

„Auch auf unseren runden Tisch (künftig sollen vielleicht auch mal Ärzte dazu eingeladen werden) würde ich nicht mehr verzichten wollen. Der interdisziplinäre Austausch etwa alle 3 Monate hat sich als bereichernd und „klimafördernd“ erwiesen.

Ich will nicht verhehlen, dass die Anfangszeit einen ziemlichen Kraftakt bei allen Beteiligten erfordert hat, aber ich habe den Eindruck, …..“

„…..fast ….Selbstläufer…, der nur Arbeitserleichterungen mit sich bringt, ohne besonderen Aufwand zu erfordern. „

„Nur eben“ bereits geschulte Verfahrenspfleger einzusetzen stellt ja nun wirklich keinen Mehraufwand im Vergleich zum „normalen“ Genehmigungsverfahren dar..“

 

RiAG Gabriele Alscher, AG Vechta, 16.9.2011

„Wir haben hier die gleichen Erfahrungen gemacht, die auch andere Gerichte nach Einführung des Werdenfelser Weges gemacht haben – kaum noch Anträge auf Fixierung.

Wenn dann doch Anregungen seitens der Heime kommen, werden diese meist sehr viel ausführlicher begründet, so als wolle man sich für den Antrag rechtfertigen oder entschuldigen. Daran sieht man, dass sich die Heime nun im Vorfeld sehr viel mehr Gedanken darüber machen, ob tatsächlich fixiert werden muss oder ob es nicht doch Alternativen gibt.

Auch die Ärzte scheinen sehr viel vorsichtiger zu sein mit der Ausstellung der Atteste. Ich wurde mehrfach von Ärzten auf den Zeitungsbericht über den Werdenfelser Weg angesprochen und es kam auch dazu, dass Ärzte in Einzelfällen Alternativen vorschlugen.

Unsere Verfahrenspflegerin ist sehr engagiert. Sie hat es geschafft, bei den Pflegefachkräften Vertrauen zu schaffen, so dass die Zusammenarbeit mit diesen sehr erfolgreich ist. Es ist erstaunlich, in wie vielen Fällen die Verfahrenspflegerin zu dem Ergebnis kommt, dass eine Fixierung nicht erforderlich ist.

Von Mehrarbeit spüren wir hier zumindest nichts.“