„… nicht gedacht, dass ich aus dem Knast noch mal ‘rauskomme.“

Im evangelischen Altenheim Bethesda in Essen-Borbeck habe es nach  Bericht der WAZ eine Revolution gegeben: Hochbetagte Bewohner lernten eine neue Freiheit kennen, weil Bauchgurte und Bettgitter verbannt wurden.

Wer gern läuft, aber nicht völlig sicher ist, wird im Altenheim Bethesda mit Hüftprotektoren ausgestattet und mit Gymnastik fit gemacht. Einfache Mittel, die sich auch bei den 107 Bewohnern des Borbecker Heims bewährt haben: Anfang 2013 wurden dort noch 20 Senioren mit Bettgittern fixiert – heute ist es keiner mehr. Eine 90-jährige Bewohnerin, die vom Gitter- in ein Niederflurbett umzog, wird zitiert: „Ich hab’ nicht gedacht, dass ich aus diesem Knast noch mal ‘rauskomme.“ Heute ist die frühere Rollstuhlfahrerin mit Rollator unterwegs – jetzt übt sie Treppensteigen.

Natürlich gebe es ein Restrisiko, „aber darf ich jemanden darum 365 Tage im Jahr anbinden?“, fragt Sabine Hoffmann, Pflegedienstleiterin im Bethesda-Altenheim.

Heute weiß sie es besser: Wer regelmäßig fixiert ist, baut Muskeln ab, verliert Beweglichkeit und Sicherheit – und stürzt viel eher, wenn er mal aufsteht. Demenzkranke, die oft einen großen Bewegungsdrang haben, werden brutal eingeengt. Dass es auch anders geht, habe man beim Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen bewiesen, wo man  die Zahl der freiheitsentziehenden Maßnahmen extrem reduziert hat.

„Es ist ein Denkprozess: Früher stand die Sicherheit im Vordergrund, heute die Lebensqualität“, sagt der Direktor des Amtsgerichts Borbeck, Hermann Heimeshoff. In seinem Bezirk nahm die Genehmigung freiheitsentziehender Maßnahmen von August 2013 bis August 2014 um etwa 15 Prozent ab.

 

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