„Adaptive Healing Room“ zur Reduzierung von Fixierungen auf Intensivstationen

„Ding-Ding“. Türen öffneten und schlossen sich, so kam es ihr vor. Hunderte Male am Tag. Wenn bloß Ruhe wäre. Wenn bloß jemand ihre Arme lösen würde, die an das Bett geschnallt neben ihrem Oberkörper lagen. Wo war sie denn überhaupt? Wie war sie in diese Lage geraten, das fragte sie sich. Das Licht aus den Leuchtstoffröhren direkt über dem Bett brennt in den Augen. Menschen rauschen an einem vorbei, in den Raum, wieder hinaus.

„Es war so irritierend und nervig, und ich konnte nichts tun, damit es endlich aufhörte“ berichtete eine Patientin nach Aufenthalt auf einer Intensivstation. Aber das wusste sie nicht mehr, schon gar nicht, wie sie dort hingekommen war. Die Ärzte hatten sie an das Bett geschnallt, zu ihrer eigenen Sicherheit. Die medizinischen Geräte, deren Alarm- und Hinweistöne und die fortwährende Aktivität des Personals sind eine ständige Geräuschkulisse, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Einen Fahrstuhl gab es übrigens nicht in der Nähe des Raums, in dem sie lag. Sie hatte ein Delirium.

Das Delir gilt als einer der Hauptrisikofaktoren auf Intensivstationen. Lärmintensives, geschäftiges Treiben in einem technisch kalten Ambiente mit wenig Licht am Tage und grellem Licht in der Nacht verursacht bei Patienten Angst und Stress. Fehlende Orientierung über Tageszeit und Ort tragen dazu bei, dass etwa 20 Prozent aller stationären Patienten ein Delir entwickelten. Bei den über 65-Jährigen seien es sogar fast die Hälfte.

Das Konzept im „Adaptive Healing Room“ zeichnet sich durch ein intelligentes Raum- und Alarmkonzept aus, das durch Geräuschreduktion eine überflüssige Geräuschbelastung verhindert  und durch spezielle Lichtsteuerung unter anderem einen deutlich verbesserten Tag-Nacht-Rhythmus ermöglicht.

Wenn im Patientenzimmer ein Gerät Alarm auslöst, bimmelt es im Observationsraum, nicht im Zimmer selbst. Auf Bildschirmen wird den Pflegern angezeigt, wann ein Medikament nachgefüllt werden muss.

Viele Flüssigkeiten, die Patienten verabreicht werden, kommen aus Glasbehältern. Unzählige Male am Tag werden Fläschchen geleert und weggeworfen. „Bisher stand der Mülleimer in den Krankenzimmern. Bis zu 100 Dezibel sind in Intensivzimmern keine Seltenheit. Laut Weltgesundheitsorganisation sollten es höchstens 40 Dezibel sein. Jetzt scheppert und klirrt es im Observationsraum. Nicht jede Innovation muss technisch und teuer sein.

Durch eine Multimediainstallation im Patientenzimmer können zudem Bilder von vertrauten Landschaften, Aktivitäten oder der Familie – gut dosiert und der aktuellen Situation des Patienten angepasst – gezeigt werden.

 

Link zu einem Artikel in der Ärztezeitung

Link zu einem Artikel in der Welt